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Blogeintrag

Camping mit Hund nach Irlund und … Teil 5

Buch-IRL

Camping mit Hund nach Irlund und … Teil 5: Oh England, deine Straßen!

Eine besondere Herausforderung stellt für den kontinentalen, kraftfahrenden Gast nicht nur der Linksverkehr, sondern die Vorfahrtregeln an, auf den ersten Blick gewöhnlichen, Kreuzungen dar. Da fährt man auf einer vielleicht sogar üppig dimensionierten Stadtstraße auf einen querenden Weg zu. Der erste Eindruck: klare Sache! Zwei Straßen, vier Eckgebäude, keine Ampel, kein Schild, meine Straße ist breiter, von rechts kommt keiner – auf geht’s! Aber man ist ja vorsichtig. Vielleicht gilt hier ja doch auch sowas wie „Rechts vor Links“? Vielleicht umgekehrt? „Links vor Rechts“? Die fahren ja auch alle falschrum. Aber, nichts davon! Hier herrscht fast immer Donut!

 

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Foto: Vandemoortele

 

Unscheinbar und im Dunkeln eigentlich gar nicht zu erkennen, genügt ein lässig aufgepinselter Kringel von der Größe eines fettgebackenen Teilchens in der Mitte der Kreuzung, um daraus einen Kreisverkehr zu machen und damit alle Vorfahrtsvermutungen auf den Kopf zu stellen. Der meine Fahrtrichtung querende rechtsabbiegende Gegenverkehr, die Kutsche von rechts und wahrscheinlich auch ordnungsgemäß angeleinte Nerze von links haben Vorfahrt!!

Kreisverkehre sind allgemein beliebt. In engen Städten mit schnell folgenden Querstraßen kommt auch beim routinierten Fahrer schon mal ein leichter Zweifel auf, ob er sich noch im von Vorfahrt begünstigen Donut oder schon in der Vorfahrt zu gewährenden Einfahrt in den nächsten Kringel befindet. Nach 200 Kilometern durch das Königreich dürfte aber sichergestellt sein, dass selbst die übelste, linksdrehende Fettsäure in der Kühlbox bekehrt ist.

 

hidden places

Sicher, wir sind auf unseren Touren immer auf der Suche nach besonderen, mystischen Orten. Aber warum sich Campingplätze verstecken müssen, bleibt mir ein Rätsel.

Schon beim realexistierenden Sozialismus hatten böse Zungen behauptet, der Zusatz sei nur ein verzweifelter Versuch genießender Genossen gewesen, von seiner Nichtexistenz abzulenken. Wer ein Interesse hat, real (nicht) existierende Campinglätze ins Netz zu stellen und begeistert darüber zu posten, bleibt mir schleierhaft. Wer mal auf einer Tour auf „Purbackview Campsite“ trifft, der soll es bitte (vielleicht mit momentaner Adresse) mitteilen! Der Platz soll bezaubernd sein! Ruhig gelegen, über alle Annehmlichkeiten verfügen, die man sich wünscht, nur bleibt er für uns leider unauffindbar.

Da es schon spät ist, weichen wir auf „Luck Ford Wood“ in der Nähe von Wareham aus. Mein erster Eindruck: wenn er tatsächlich existiert, hat auch er sich gut versteckt. Obwohl es kein Hinweisschild weit und breit gibt, finden wir eine Einfahrt, hinter der sich aber eher ein vernachlässigter Bauhof auftut. Berge von Bauschutt, halb ausgeschlachtete, verrostete Baumaschinen, suspekte Fässer, dahinter eine Wagenburg aus riesigen Wohnwagen. In den Türen stehen voluminöse Menschen mit ebensolchen, umfänglich bebilderten Oberarmen. Mitten in der Burg, zwei Polizeifahrzeuge.

 

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„Wir sollten fahren!“ – „Du hast ja nur Vorurteile!“ – „Gar nicht! Ich habe nur meinen VHS-Kurs „Messerwerfen für Anfänger“ noch nicht abgeschlossen und aus meiner Erfahrung sollte man auf besondere Situationen auch besonderes vorbereitet sein.“ – „Spießer!“ – „Gar nicht!! Wir können ja mal gucken, was sich hinter der Wagenburg befindet.“

Als wir von dem neu angelegten Campingplatz zurückkehren, wird gerade ein Delinquent von vier Beamten in Handschellen abgeführt. Die anderen Bilderbuch-Oberarme dürfen bleiben. In Wurfweite von unserem VariVan.

Wir gönnen uns erst mal ein Essen direkt am Wasser im gemütlichen benachbarten Wareham.

 

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OK, ein Bierchen war auch dabei, und legen uns zum Schlafen.

Der Klappspaten liegt neben mir.

 

Die Sanitärgebäude sehen neu aus. Die Raumhöhe wurde ohne mich festgelegt und ist etwas geringer als meine Körpergröße ausgefallen. Die festen Duschköpfe an der Wand hängen folgerichtig in Schulterhöhe, die Druckknöpfe dazu befinden sich darunter. So ist sichergestellt, dass der erste kalte Strahl nicht das Gesicht trifft. Geschickt!  Auch der zweite bis vierte Wasserschwall bleiben kalt. Beim fünften kommt Temperatur auf. Ich seife schnell die Haare ein, um dann wieder unter kaltem Wasser alles rausspülen zu müssen. Vor meinem inneren Auge purzelt auch der letzte verbliebene Stern für das Bewertungsportal und verschwindet im Ausguss.

Die Aufforderung, die Sanitärräume so zu hinterlassen, wie man sie vorfinden möchte, lässt mich kurz überlegen, ob ich mir mal einen halben Tag dafür Zeit nehmen sollte. Nö! Die waren schon ekelig als ich kam. Da müssen mal erst Profis ran!

 

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Die nächsten Etappen findest du hier, wöchentlich oder in einem Büchlein, zu bestellen über www.VariVan.de.

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